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Luftfeuchtigkeit - Schimmelpilze


Schimmelpilz - Feuchtigkeit - Lüften - Heizen

Da Feuchtigkeit und Schimmel in Wohnungen seit vielen Jahren und nach wie vor für erheblichen Unmut sorgen, soll hier einmal mit einfachen, für jeden Laien verständlichen Worten beschrieben werden, was es mit dieser Thematik auf sich hat.
Hierbei wird bewusst auf Fachbegriffe wie „Taupunkt“, „Wärmebrücke“ (fälschlicherweise oft als Kältebrücke bezeichnet) und komplizierte Fachformulierungen verzichtet. Es ist notwendig, etwas von Schimmelentstehung, baulichen Zuständen, Feuchtigkeit im Wohnraum etc. und deren Zusammenhänge zu verstehen. Nur so kann drohendes Unheil verhindert oder dem zumindest entgegen gewirkt werden.
Aber genau daran mangelt es in fast allen Fällen. Einzelne Faktoren wie Luftfeuchte, Innen- / Außentemperatur und baulicher Zustand sind mehr oder weniger miteinander verknüpft. Sie beeinflussen sich z.T. sehr stark, so dass der Ist-Zustand eines einzelnen oder mehrerer verknüpfter Faktoren nicht umgehend die Ursache des Problems erkennen lässt.


Die mittlerweile schon zur Tradition gewordene Formulierung „falsch Lüften“ ist eine Pauschalisierung, bei welcher alle möglichen Gründe und Ursachen für Feuchtigkeit (und Schimmel) zu leichtfertig über einen Kamm geschoren werden.
In vielen (nicht allen) Fällen hat „ falsches Lüften“ und „zu wenig heizen“ nichts mit Kondenswasser an Scheiben / Wänden und daheraus entstandenem Schimmel zu tun.
Beides entsteht auch bei normaler Raumfeuchte (ca. 45% - 65%)! Warum, wird unter KONDENSATION erläutert.
Schimmel ist eigentlich nicht erwähnenswert und wenn, dann nur sekundär, da er ausschließlich eine negative Folgeerscheinung des Ursprungproblems ist.


Raumfeuchte / Nässe:

Beginnen wir einmal mit einem Beispiel einer alltäglichen Situation vieler Haushalte:
Angenommen, sie holen sich eine Bierflasche aus dem Kühlschrank und stellen sie auf den Tisch. Biertemperatur 6 Grad, Raumtemperatur 21 Grad, Luftfeuchte 60% (normaler Wert). Nach einer Weile ist zu beobachten, dass die Flasche außen nass wird.
Wo bitte kommt das an der Flasche herunter laufende Wasser her... Ist es hier so feucht, weil falsch gelüftet wurde??“

Nein!


KONDENSATION...
…der sich in jeder Raumluft befindlichen Feuchte ist das Zauberwort.
Kondensation entsteht, wenn der Sättigungsgrad (100%) an Feuchtigkeit in der Luft überschritten wird. (Wie bei einem Schwamm. Erst wenn die Aufnahmekapazität zu 100% erreicht ist, tropft er.)
Wird 21 Grad warme Raumluft (60% Luftfeuchte) abgekühlt, ist die kühlere Luft (direkte Luft an der Bierflasche) nicht mehr in der Lage, den Feuchtigkeitsgehalt in der zuvor warmen Luft zu halten, da kalte Luft weniger Wasser speichern kann als warme.
Somit muss die an der Bierflasche erkaltende Luft Wasser abgeben. Dennoch sind in der warmen Raumluft weiter abseits der kalten Flasche weiterhin nur 60% Luftfeuchte vorhanden.

Schwenken wir um auf eine Wohnung:

Es ist, insbesondere an kalten Wintertagen (zum Beispiel bei einer Außentemperatur von -5 Grad) zu beobachten, dass sich an den Fensterinnenseiten Feuchtigkeit absetzt und zu Wasser kondensiert (Häufig an der Nordseite der Wohnung, weil keine Erwärmung durch Sonneneinstrahlung), insbesondere an Schlafzimmerfenstern (Raum mit erhöhter Raumfeuchte).
Dies geschieht vorwiegend bei Fenstern älteren Baujahres mit maximal Zweifachverglasung. Diese sind schlechter isoliert und daher leitfähiger.

Was ist hier passiert?
Dieses Fensterglas ist im übertriebenen Sinne vergleichbar mit dem Glas der Bierflasche. Auf der einen Seite ist es kalt, auf der anderen Seite warm! Da hier die Außenluft eindeutig die größere (kalte) Menge darstellt, nimmt die Scheibe die Außentemperatur an und versucht, die Raumluft abzukühlen. Durch das Abkühlen der Raumluft kann die vorhandene Feuchte nicht mehr in der Luft (nur in der Luft direkt an der Innenseite der Scheibe) gebunden bleiben und kondensiert an kalten Oberflächen, Raumecken usw. zu Wasser.


Heizen!?

Ist also Nässe an (Schlaf-)Zimmerscheiben vorhanden und der Heizkörper wird voll aufgedreht, entsteht fürs erste nur ein Umkehreffekt:
Es wird dafür gesorgt, dass sich die Luft erwärmt, also wieder mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann (eben die an der Scheibe), wodurch sie wie von Geisterhand „verschwindet“. Nun ist sie zwar nicht mehr sichtbar aber immer noch da, nämlich (wieder) in der Luft. Es hätte also wenig Sinn, mehr oder weniger den ganzen Tag sämtliche Heizkörper hoch zu drehen, um damit Feuchtigkeit verschwinden zu lassen, blieben dabei sämtliche Fenster und Türen geschlossen.

(Auf „richtiges Lüften“ wird weiter unten eingegangen)

Die erwähnten -5 Grad Außentemperatur sind nur ein Beispiel. Dieses Phänomen tritt generell bei Temperaturdifferenzen auf. Bei alten Fenstern mit Holzrahmen reichen schon geringere (Minus-)Temperaturen, um Kondensation an der Fensterinnenseite hervor zu rufen. Ältere Dachschrägenfenster aus Holz sind das beste Beispiel hierfür. Hier kommt im schlimmsten Fall noch hinzu, dass das umliegende Rahmenholz, wird es nicht regelmäßig gepflegt, irgendwann anfängt zu modern.

Warum ist oft auch an Innenseiten von Außenwänden über Fenster und Türen (Jalousiekästen, Stürze) Schimmel zu sehen!?
Das Prinzip ist hier das Gleiche.
Jalousiekästen, Fensterstürze, Außenwände, etc. sind oft nicht ausreichend gegen Kälte geschützt.
Wieder: Kalte Außenluftmenge größer als warme Innenluftmenge. Innenflächen bleiben kalt, Raumfeuchte setzt sich dort ab, kondensiert zu Wasser. Nur ist Wasser an der Wandoberfläche im Gegensatz zu dem an einer Glasoberfläche nicht gleich sichtbar. Tapeten nehmen die Feuchtigkeit auf, es läuft nicht wie Wasser am Glas herunter.
Erst dann, wenn sich immer wieder Feuchtigkeit an den gleichen, hier beschriebenen Stellen absetzt hat und regelmäßig feucht hält ist, entsteht schleichend Schimmelpilz.
Ein weiteres Beispiel sind Kühlschrankdichtungen! Innenseite Dichtung kalt, Außenseite Dichtung warm (und feucht) = Schimmelbildung.


Woher kommt der Schimmel!?

Schimmelpilz entsteht nicht aus der Feuchtigkeit oder aus dem Nichts!
Überall, sei es in freier Natur, in Räumen (gleich welcher Art), schwirren Schimmelpilzsporen in unserer Atemluft umher. Die mikroskopisch kleinen „Dinger“ sind nicht sichtbar, dennoch leben wir mit ihnen und atmen sie tagtäglich unbemerkt ein.
Erst dann, wenn ihnen optimale Entwicklungsmöglichkeit (Nahrung) geboten wird, wachsen aus ihnen Schimmelpilze auf dem feuchten Untergrund, sei es nun der grünblaue Schimmel am Brot oder der Schwarze an der Wand.
Auch in Kühlschränke, (Saft-)Flaschen, (Marmeladen-)Gläser, Tupperdosen usw. gelangen Schimmelpilzsporen. Wärme spielt bei Schimmelpilzentwicklung nur zweite Geige. Man spricht sehr leicht von „warm und feucht“, geht es um Schimmelpilze. Das mag auf Fußpilz zutreffen (kleiner Scherz am Rande), auf viele andere definitiv nicht. Manche Pilzarten fangen bei (nur) 6 Grad+ im Kühlschrank an zu wachsen, in welcher Farbe auch immer.


Richtig lüften!

Es muss regelmäßig gelüftet werden, wenn sich in kurzer Zeit eine erhöhte Luftfeuchte entwickelt hat.

Beispiele wären:
Körperausdünstungen (Atmen, Transpirieren) vorwiegend im Schlafzimmer, nach dem Kochen, Duschen sowie Baden, wenn Aquarien im Haus vorhanden sind, beim Trocknen von Wäsche auf dem Ständer im Wohnzimmer.
Wird morgens nach dem Aufstehen das Fenster geöffnet und die Tür geschlossen, passiert so gut wie nichts. Das Schlafzimmer ist allenfalls eine Sackgasse, aus der die alte, feuchte Luft nicht heraus kann. Sicherlich gelangt auch etwas Frischluft durch ein auf „Kipp“ geöffnetes Fenster ins Zimmer. Aber ausreichend Lüften, um stark erhöhte Luftfeuchtigkeit heraus zu bekommen, geht so nicht. Das wäre dann das sogenannte „falsche“ Lüften.
Bleibt die Schlafzimmertür auf, ggf. noch ein weiteres Fenster (oder Balkontür) auf der anderen Wohnungsseite, entsteht Durchzug (Stoß- oder Querlüften). So kann sich die Luft nirgends stauen und innerhalb 10 - 15 Minuten sinkt Raumfeuchte.
Jedes Bad ohne Fenster hat entweder einen Be- und Entlüftungsschacht oder einen Ventilator, damit alte Luft abgezogen werden kann und mit ihr die nach dem Duschen / Baden entstandene Feuchtigkeit. Allerdings hilft auch das wenig, wenn direkt nach dem Duschen / Baden die Tür sofort geschlossen wird.
Das "Herausziehen" der nassen Luft mittels des Lüftungsschachtes oder des Ventilators wird erschwert, die Nässe verbleibt zu lange im Bad und schon ist Schimmelbildung vorprogrammiert.
Wer einmal seine Wäsche im Wohnzimmer trocknen lässt, muss nicht sofort mit einer Schimmelpilzbildung rechnen.
Es ist also eine gewisse Beständigkeit bezüglich des Vorhandenseins von Raumfeuchte erforderlich, so dass Schimmelpilz wächst.

Lüften ist also MITNICHTEN ein Garant dafür, dass in einer Wohnung kein Schimmel entsteht.

(Im Übrigen ist das „Herunterlüften“ der Raumfeuchte auf unter 40% nicht unbedingt gesundheitsfördernd. Wer sich schon länger fragt, warum er permanent unter trockenen Nasenschleimhäuten leidet und dazu noch jeden Morgen mit Kopfschmerzen aufwacht, sollte einmal seine Raumfeuchte messen. Insbesondere in Wohnungen mit Fußbodenheizung oder Klimaanlagen.)



Schimmel an Innenraumwänden!

Nun kann es aber auch sein, dass sich Schimmelpilz nicht ausschließlich an kälteempfindlichen Stellen (Außenwände, Jalousiekästen etc.) bildet, sondern auch an Innenraumwänden. Häufig wird Schimmel an der Wand direkt hinter Möbeln beobachtet. Beim Verrücken des Sofas spiegelt das Schimmelpilzbild fast exakt die Konturen des Sofas oder anderer Möbelstücke wieder.
Auch hierfür ist an der Wand kondensierte Raumluftfeuchte die Ursache, an welcher sich Schimmelpilzsporen absetzen und zu Schimmel gedeihen.
Der Hintergrund ist allerdings ein anderer. Nicht mangelnde Isolierung, vielmehr ein Mangel an Raumluftzirkulation führen zu dieser Schimmelbildung. Die Ursache liegt einerseits an der Raumaufbau (Sackgasse, Raumluft bewegt sich nicht, kann nicht „durch- oder abziehen“), andererseits an den Möbeln, welche (evtl. in der Raumecke) zu dicht an der Wand stehen.
Beides zusammen sorgt dafür, dass sich die Raumluft hinter dem jeweiligen Möbelstück staut, mehr oder weniger „steht“ und sich die darin enthaltene Feuchtigkeit an der Wand absetzt. Ist zusätzlich der Feuchtegehalt zu hoch, bleibt die Wand hinter dem Möbelstück durchgängig feucht und Schimmel kann ungehindert wachsen.

Schimmelpilzentwicklungen haben also verschiedene Ursachen und können selbstverständlich auch Folge von Wasserschäden sein, welche durch Rohrbruch von Abfluss- und Frischwasserleitungen entstehen.


Schimmel an der Wand
Das schwarze an der Wand ist kein Tapetenmuster sondern Schimmel

Letztendlich muss vor Ort immer im Einzelfall geprüft werden, was die Ursache für Feuchtigkeit und / oder Schimmel ist und wie weit die Schäden fortgeschritten sind. Daheraus ergibt sich dann der Sanierungsaufwand.

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